Wissen

Glossar Elektrokontrolle und NIV

Über 49 Begriffe rund um NIV, NIN, SiNa, Schluss- und periodische Kontrolle, Schutzmassnahmen, Messgrössen und PV. Sortiert mit Anker-Links für direkte Verweise.

Begriffe (alphabetisch)

AbnahmekontrolleAuslösestrom (IΔn)Auslösezeit (ta)DC-/AC-SeiteDrehfeldEinmalvergütung (EIV)ElectrosuisseErder / FundamenterderErdungswiderstandErstprüfungESTIFunktionsprüfungHandänderungHauptpotentialausgleich (HPA)Hausanschluss / HausanschlusskastenIP-SchutzartIsolationswiderstandKEV (historisch)KontrollaufforderungKontrollbewilligung (NIV Art. 26 / 27)KontrollperiodeKurzschlussstrom (Ik)LadeeinrichtungMängelfristMängellisteN-Leiter (Neutralleiter)NetzbetreiberNIN — Niederspannungs-InstallationsnormNIV — Niederspannungs-InstallationsverordnungPE-LeiterPeriodische Kontrolle (NIV Art. 36)PolaritätsprüfungPronovoPV-AnlageRCD / FI-SchutzschalterSchleifenimpedanz (Zs)Schlusskontrolle (NIV Art. 35)Schutzklasse I / IISchutzleiter (PE)SichtprüfungSiNa — SicherheitsnachweisStringmessungUnabhängige KontrolleVerteilung (UV/HV)VSEK / VSEWallboxWechselrichterZusatzpotentialausgleich (ZPA)Zähler / Zählerplatz

Glossar

NIV — Niederspannungs-Installationsverordnung
Schweizerische Verordnung (SR 734.27), die Kontrolle, Sicherheit und Bewilligung von Niederspannungs­installationen regelt. Grundlage für Schlusskontrolle (Art. 35) und periodische Kontrolle (Art. 36).
NIN — Niederspannungs-Installationsnorm
Technische Norm (electrosuisse, SNR/SN-Reihe), die den Stand der Technik für Planung, Errichtung und Prüfung von Niederspannungs­installationen beschreibt. Wird in der NIV referenziert.
SiNa — Sicherheitsnachweis
Formelles Dokument am Ende einer Elektrokontrolle. Hält den Zustand der Installation, Mängel und Mängelfristen fest. Wird beim zuständigen Netzbetreiber eingereicht.
Schlusskontrolle (NIV Art. 35)
Pflichtmässige Kontrolle nach Fertigstellung neuer oder geänderter Installationen. Wird in der Regel vom ausführenden Installateur mit Bewilligung durchgeführt.
Abnahmekontrolle
Bei bestimmten Objektarten zusätzlich zur Schluss­kontrolle erforderliche unabhängige Kontrolle vor Inbetriebnahme. Typisch für PV-Anlagen und risikoreiche Objekte.
Periodische Kontrolle (NIV Art. 36)
Wiederkehrende, unabhängige Kontrolle bestehender Installationen nach Ablauf der objekt­abhängigen Kontrollperiode.
Unabhängige Kontrolle
Kontrolle durch eine vom Installations­betrieb personell, wirtschaftlich und organisatorisch unabhängige Stelle. Gemäss NIV bei der periodischen Kontrolle zwingend.
Erstprüfung
Laufende Prüfung durch den Installateur während der Ausführung der Arbeiten. Vorstufe zur formellen Schluss­kontrolle.
Mängelliste
Strukturierte Aufstellung der bei einer Kontrolle festgestellten Mängel mit Prioritäten und vorgeschlagenen Massnahmen.
Mängelfrist
Frist, bis zu der ein festgestellter Mangel zu beheben ist. Wird im SiNa und Mängelbericht festgehalten und richtet sich nach Art und Schwere des Mangels.
Sichtprüfung
Erste Stufe jeder Elektro­prüfung: Augenschein des Materials, der Verlegung, der Beschriftung, der Schutzmassnahmen ohne Messung.
Funktionsprüfung
Prüfung der korrekten Funktion von Schutz- und Steuerungs­einrichtungen, RCDs, Schaltern, Beleuchtung, Notabschaltungen.
Schutzleiter (PE)
Gelb-grüner Leiter, der berührbare leitfähige Teile mit der Erde verbindet und den Fehlerstrompfad sicherstellt.
PE-Leiter
Synonym für Schutzleiter (Protective Earth). Bei Erdfehler führt er den Strom kontrolliert ab und ermöglicht das Auslösen der Schutz­einrichtung.
N-Leiter (Neutralleiter)
Stromrückführender Leiter im Drehstromsystem. Im TN-S-System strikt vom Schutzleiter getrennt.
Polaritätsprüfung
Prüfung, ob aktive Leiter, Neutralleiter und Schutzleiter korrekt zugeordnet und nicht vertauscht sind.
Drehfeld
Reihenfolge der drei Aussenleiter L1-L2-L3 im Drehstromsystem. Falsches Drehfeld führt zu Falschdrehung von Motoren und kann Schäden verursachen.
RCD / FI-Schutzschalter
Fehlerstrom-Schutz­einrichtung (Residual Current Device). Schaltet die Anlage bei Fehlerströmen oberhalb des Bemessungs­auslöse­stroms IΔn ab.
Auslösestrom (IΔn)
Bemessungs­auslöse­strom eines RCD, typisch 30 mA für Personen­schutz, 300 mA für Brand­schutz, 10 mA für Sonder­anwendungen.
Auslösezeit (ta)
Zeit, innerhalb der eine Schutz­einrichtung nach Auftreten eines Fehler­stroms abschalten muss. Für RCD 30 mA bei Bemessungs­strom typisch < 300 ms.
Isolationswiderstand
Widerstand der Isolierung zwischen aktiven Leitern und gegen Erde, gemessen mit Gleichspannung (z. B. 500 V DC). Mindestwerte gemäss NIN.
Schleifenimpedanz (Zs)
Impedanz der Fehler­schleife L–PE. Bestimmt den Kurzschluss­strom und die Auslöse­zeit der vorgeschalteten Schutz­einrichtung.
Kurzschlussstrom (Ik)
Strom, der bei einem niederohmigen Kurzschluss fliesst. Massgebend für die Auslegung von Sicherungen und Leitungs­schutz­schaltern.
Erdungswiderstand
Übergangs­widerstand der Erdungs­anlage gegen das umgebende Erdreich. Wird mit Erder­messverfahren bestimmt.
Hauptpotentialausgleich (HPA)
Verbindung leitfähiger Gebäude­teile (Wasser, Heizung, Gas, Stahl, Erder, Schutz­leiter) zu einer gemeinsamen Bezugs­potential­ebene. Zentral für die Personen­sicherheit.
Zusatzpotentialausgleich (ZPA)
Lokal ergänzender Potential­ausgleich, z. B. in Bädern, an Schwimmbecken oder bei besonderen Installationen mit erhöhtem Risiko.
Erder / Fundamenterder
Im Erdreich oder im Beton­fundament eingebauter Leiter, der die Verbindung der Erdungs­anlage zum Erdpotenzial herstellt.
Verteilung (UV/HV)
Hauptverteilung (HV) am Hausanschluss; Unterverteilung (UV) auf Stockwerks-, Wohnungs- oder Bereichs­ebene.
Hausanschluss / Hausanschlusskasten
Übergabepunkt zwischen Netzbetreiber und Hausinstallation. Enthält den Hausanschluss­kasten mit den NH-Sicherungen.
Zähler / Zählerplatz
Messeinrichtung des Netzbetreibers für den Energie­verbrauch. Der Zählerplatz unterliegt Vorschriften zur Zugänglichkeit und Beschriftung.
Wallbox
Ladeeinrichtung für Elektrofahrzeuge mit fest installiertem Anschluss. Erfordert eigenes Schutz­konzept (typisch RCD Typ B oder Typ A + DC-Erkennung).
Ladeeinrichtung
Sammelbegriff für stationäre AC- und DC-Lade­punkte. Unterliegt der NIV; Schluss­kontrolle und periodische Kontrolle erforderlich.
PV-Anlage
Photovoltaik-Anlage zur Strom­erzeugung aus Sonnenlicht. Besteht aus Modulen, DC-Verkabelung, Wechselrichter und ggf. Speicher.
Wechselrichter
Wandelt den Gleichstrom (DC) der PV-Module in Wechselstrom (AC) für das Hausnetz oder Einspeisung um.
DC-/AC-Seite
Bei PV: DC-Seite zwischen Modulen und Wechselrichter, AC-Seite zwischen Wechselrichter und Hausnetz / Netz­betreiber. Schutz­konzepte unterscheiden sich.
Stringmessung
Messung von Strom und Spannung einzelner PV-Strings zur Funktions- und Verschaltungs­prüfung.
Pronovo
Akkreditierte Beglaubigungs­stelle des Bundes für Herkunfts­nachweise und für die Auszahlung der Einmal­vergütung (EIV) für PV-Anlagen.
Einmalvergütung (EIV)
Einmalige Förderung des Bundes für PV-Anlagen, abgewickelt über Pronovo. SiNa ist meist Pflicht­dokument.
KEV (historisch)
Kostendeckende Einspeise­vergütung — frühere Förderung für erneuerbare Energien. Für Neuanlagen geschlossen, ersetzt durch EIV-System.
Netzbetreiber
Lokaler Energie­versorger (z. B. SAK, EKS, EKT, EWZ). Reicht Kontroll­aufforderungen ein und ist Empfänger des SiNa.
ESTI
Eidgenössisches Starkstrom­inspektorat. Aufsichts­behörde, erteilt Bewilligungen nach NIV und überwacht die Kontroll­tätigkeit.
Electrosuisse
Schweizerischer Verband für Elektro-, Energie- und Informations­technik. Heraus­geber der NIN-Norm.
VSEK / VSE
Branchenverband der Schweizer Energie­versorger. Setzt mit Werkvorschriften regional Standards für die Schnittstelle Hausanschluss–Netz.
Schutzklasse I / II
Klassifizierung elektrischer Geräte: I = Schutzleiter­anschluss erforderlich; II = doppelte oder verstärkte Isolation, kein Schutzleiter.
IP-Schutzart
Klassifizierung des Schutzes von Gehäusen gegen Eindringen von Fremdkörpern (1. Ziffer) und Wasser (2. Ziffer), z. B. IP44 für aussen geschützte Steckdosen.
Kontrollbewilligung (NIV Art. 26 / 27)
Vom ESTI erteilte Bewilligung, die festlegt, welche Kontrolltätigkeiten eine Person oder Firma ausüben darf. Spezifische Bewilligungen werden projekt­bezogen ausgewiesen.
Handänderung
Eigentümerwechsel an einer Liegenschaft. Anlass für die Klärung des aktuellen Sicherheits­nachweis­standes.
Kontrollperiode
Maximale Zeitspanne zwischen zwei periodischen Kontrollen, objekt­abhängig (Wohnen meist 20 Jahre, Gewerbe oft 10, PV typisch 5).
Kontrollaufforderung
Schriftliche Aufforderung des Netzbetreibers an die Eigentümer­schaft, die periodische Kontrolle innert Frist organisieren zu lassen.

Hinweis

Definitionen sind komprimiert und ersetzen keine objekt­bezogene Beurteilung. Massgeblich sind die jeweils geltenden Verordnungen (NIV) und Normen (NIN).

Kontrollgrund klären lassen

Senden Sie Objektadresse, Kontrollgrund, Fristen und vorhandene Unterlagen. especta gmbh prüft Umfang und mögliche Termine nach Verfügbarkeit und Projektumfang.

Kontakt aufnehmen